Ergebnisse langjähriger Freilandversuche
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Kein Düngungseffekt der atmosphärischen NOx-Einträge erkennbar
Bekanntlich leben die Wiesenpflanzen in sehr enger Symbiose mit den Mikroben (z.B. Mykorrhiza-Pilzen) der Rhizosphäre. Da sich die Pflanzen vorrangig aus den,
vom Edaphon aus dem Humuskörper freigesetzten Nährstoffen ernähren, löst die mineralische Düngung hauptsächlich den sogenannten "Priming-Effekt" aus: Eine
kurzfristige Stimmulanz der Bodenfauna und -flora mit der Folge vermehrter Nährstoff-Freisetzung aus dem belebten Oberboden. Dieser Effekt erzeugte in
unserem Fall bei der höchsten Düngestufe "NPK 20/20/32" immerhin einen Mehrertrag von 8 dt/ha TS oder 35% gegenüber der Variante "Mähen ohne Düngen"
. Hinsichtlich unerwünschter N-Freisetzungen fiel aber diese jährlich einmalige Düngergabe trotz des sehr hohen Humusgehaltes von 15 % offensichtlich nicht ins
Gewicht, denn die Nmin-Werte lagen mit 5 kg N/ha unterschiedslos sehr niedrig. Höhere, evtl. düngungsabhängige Nmin-Werte waren auch gar nicht zu erwarten,
da unter Dauergrünland erst bei wesentlich höherer N-Düngung (>200 kg N/ha) mit einem Anstieg der Nmin-Werte zu rechen ist. Mit großer Wahrscheinlichkeit
befindet sich der Gehalt an organischer Substanz an seiner, für diese Standortverhältnisse oberen Grenze. Alternative, sonst als sehr humusaufbauend
geltende Stallmistgaben dürften auf unserem Magerrasen also keine zusätzlich positiven Effekte mit sich bringen.
Was den oft vermuteten Düngeeffekt der atmosphärischen NOx-Einträge über den
Regen betrifft – in Deutschland sind es jährlich 30, für südwestdeutsche Verhältnisse jedoch nur 15-20 kg/ha – so ist festzustellen, daß sich diese
"Düngung" nicht eutrophierend auf den Magerrasen auswirkte: Bei der Ausmagerungsvariante "MoD" hätte die Tendenz des langsamen aber stetigen
Ertragsrückganges durch diesen Düngeeffekt aufgehalten werden müssen. Da sich die N-Einträge in jeweils sehr geringer Konzentration auf viele Niederschlagsereignisse im Jahr verteilen, konnten sie im Sinne des oben
genannten Priming-Effekts auch keine stimmulierende Wirkung auf das Edaphon ausüben. Die ernährungsphysiologische Wirksamkeit dieser Stickstoffeinträge ist
daher wohl auch nicht mit der gezielten landwirtschaftlichen Düngung vergleichbar.
BRIEMLE, G. 1990: Reaktion eines artenreichen Kalkmagerrasens auf geringe Mineraldünger- gaben. - Zeitschr. f. Kulturtechnik und Landentwicklung 31: 152-163; Parey, Berlin und Hamburg
Artenzahl-Abnahme bei Übergang von Wiesen- zu Standweide-Nutzung
Durch die Ablösung der Heuwiesen-Nutzung durch eine Standweide mit gemischem Besatz aus Rindern und Pferden mit 1 GV/ha kam es binnen 4 Jahren
zu einer leichten Abnahme der Artzahlen im Bereich der Grünlandflora. Zwar ist eine Beobachtungszeit im Dauergrünland von nur so kurzer Zeit noch nicht sehr
aussagekräftig, doch zeigt sich dennoch ein Trend in Richtung Artenverarmung. Typische Wiesenpflanzen wie Margerite, Glockenblumen, Rauhhaariger Löwenzahn, Kleines Habichtskraut und Glatthafer gingen zurück, wogegen
Weißklee, Rotes Straußgras und Schafschwingel zunahmen.
Briemle, G. & T. Jilg 1998: Erfahrungen bei der Umwandlung hängiger Schwarzwaldwiesen in Rinder-Standweiden. – in: Tätigkeitsbericht 1997/98 der
Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt, Aulendorf (LVA): 82-84; Selbstverlag LVA Aulendorf.
Selbstberasung hat größeren Artenreichtum auf als “floristisch angereicherte” Ansaatmischungen
Die Neuansaaten gelangen alle gut, erzielten einen zufriedenstellenden Narbenschluß und erbrachten TM-Erträge zwischen 90 und 120 dt. Allerdings
erreichten die Energiegehalte des Weidefutters mit nur Ø 5,5 MJ NEL/kg TS noch nicht diejenigen Werte, die der hohe Futterwert von 7,5 verspricht.
Während im Ansaatjahr 1993 erwartungsgemäß neben einigen typischen
Ackerunkräutern (Hühnerhirse, Melden- und Gänsefußarten) vor allem die Quecke stark vertreten war, ging dieser Platzräuber im 1. und 2. Hauptnutzungsjahr deutlich
zurück und überließ den angesäten Futtergräsern das Terrain. Dies ist vor allem für die extensiver genutzten Bereiche erstaunlich, da z.E. keinerlei Herbizide
eingesetzt wurden, z.A. die anstehenden Hanggley-Pelosole und kolluvialen Gleye von Natur aus sehr nährstoffreich sind und der Quecke daher standörtlich zusagen.
Dies spricht jedoch für die Kampfkraft der angesäten Grasarten. Im Gegensatz zu Experimenten anderenorts mit der Etablierung von Extensivgrünland nach
langjähriger Ackerperiode gab es hier keine Probleme mit der Acker-Kratzdistel.
Ein sofortiges Etablieren typischer Grünlandkräuter gelang allerdings nicht. Wie
auch Erfahrungen anderenorts zeigten, fassen die mit der Futtermischung angesäten Arten nur sehr zögerlich Fuß, selbst dann, wenn die Saatstärke von 35
auf 20 kg/ha gesenkt und der Krautanteil merklich erhöht wurde. Allerdings zeichnet sich jetzt schon ab, daß die artenreicheren Ansaat-Mischungen auch auf der Fläche die vielfältigeren Pflanzenbestände zeigen.
Absolut gesehen hatte die Selbstberasung innerhalb von 3 Jahren die größten Zuwächse an Pflanzenarten, nämlich von 13 auf nicht weniger als 32! Zwar
dominierten im ersten Beobachtungsjahr auch hier die Ackerunkräuter, allen voran die Hühnerhirse mit nicht weniger als 80 %. Allein durch eine Mindestnutzung,
jedoch ohne Einflußnahme des Menschen auf die Artenausstattung, hat sich die spontan aufgekommenen Vegetation innerhalb von drei Jahren zu verfütterbaren Pflanzenbeständen entwickelt! In der Tat konnten sich mit 25 % Deutschem
Weidelgras und 30 % Weißklee beste Futterpflanzen ansiedeln. Samen dieser beiden Arten mußten also aus früheren Grünland-Zeiten noch im Boden vorhanden gewesen sein.
Briemle, G. 1996: Grünland-Neuansaat der Betriebsflächen "Sennhof", Deggenhausertal. - Tätgigkeitsbericht 1996 der Lehr- und Versuchsanstalt Aulendorf: 87-90
Dauergründland ist landschaftsökologisch ein sehr günstige Landnutzungsform
Bei nachhaltiger Wirtschaftsweise ist unter bestimmten Voraussetzungen von einer dauerhaften Bewirtschaftung des Grünlandes ohne negative Effekte auf die
Umwelt auszugehen. Grundsatz möglicher Bewirtschaftungsintensität am Standort ist der Gedanke der Kreislaufwirtschaft. Dazu gehört, daß die organischen
Dungstoffe, die aus der Verwertung von Futter aus nicht mit mineralischen Düngemitteln versorgten Flächen stammen, wieder auf die entsprechenden Flächen zurückgeführt werden dürfen. Folgende Parameter sind ausschlaggebend:
- Die Zufuhr an Nährstoffen soll dem Entzug entsprechen. Gemäß dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft soll zunächst der anfallende organischer Dünger verwendet und nur die eventuell noch fehlenden Nährstoffe mit mineralischen
Düngemitteln ergänzt werden.
- Bei nachhaltiger Bewirtschaftung verändern sich die Grünlandbestände nicht in negativer Weise, demnach werden chemische Maßnahmen zur Bestandsregulierung nur in Ausnahmefällen notwendig.
- Die Verwendung von Maschinen und Geräten bzw. die Entwicklung und der Einsatz neuer Techniken hat unter der Prämisse zu erfolgen, daß Bodenverdichtungen und Schäden an der Grasnarbe auszuschließen oder
zumindest zu minimieren sind.
- Eine hohe Grundfutterleistung bei Wiederkäuern vermindert den Einsatz von Kraftfutter und reduziert den Nährstoffimport in den betrieblichen Nährstoffkreislauf.
- Die Bewirtschaftung und die Nutzungshäufigkeit haben in Anpassung an die jeweiligen Standortverhältnisse zu erfolgen.
- Die Grundregeln zur Bewirtschaftung und Lenkung von Grünlandbeständen sind einzuhalten.
Quelle: BRIEMLE, G. M. ELSÄSSER, T. JILG, W. MÜLLER & H. NUSSBAUM 1996: Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung in Baden-Württemberg. - in: Nachhaltige
Land- und Forstwirtschaft; Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York (1996): 125-256
Gemischter bäuerlicher Betrieb ist landschaftsökologisch sehr günstig
Die Grünlandfläche von Baden-Württemberg beträgt rund 590.000 ha und entspricht damit ca. 40 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche (LF). Das
Grünland gliedert sich auf in 469.400 ha Wiesen, 51.300 ha Mähweiden, 53.400 ha Dauerweiden und 15.500 ha Hutungen. Vom Ackerland werden 125.000 ha futterbaulich genutzt.
Der hohe Stellenwert der Grünlandwirtschaft innerhalb der Landwirtschaft ist das Resultat der sehr engen Verknüpfung mit der Tierhaltung, der Milchwirtschaft, dem
Ackerbau und der Hofdüngerwirtschaft. In Baden-Württemberg wurden zu Beginn der neunziger Jahre (Stand Dezember 1992) rund 1.435.000 Rinder (insgesamt), davon 518.000 Milchkühe und etwa 35.000 Mutterkühe, 67.000 Pferde, 270.000
Schafe und 2.000 Ziegen gehalten. Seit 1975 ist die Zahl der Milchkühe um 24 % zurückgegangen, die Zahl der rauhfutterfressenden Großvieheinheiten um 18 % auf
insgesamt 1.212.000. Der Rückgang der Milchviehhaltung wurde teilweise durch eine Aufstockung der Bestände an Mutterkühen, Schafen und Pferden aufgefangen. Der Produktionswert der baden-württembergischen Landwirtschaft betrug im
Wirtschaftsjahr 1993/94 7,6 Mrd. DM. Davon stammten 19,1 % aus der Milcherzeugung und 15 % aus der Rindermast und dem Kälberverkauf.Für Südwestdeutschland lassen sich 15 wichtige Grünlandgesellschaften benennen,
die mit einem z.T. sehr reichen floristischen wie auch faunistischen Arteninventar ausgestattet sind. Die 8 verbreitetsten Grünlandtypen sind: Magerwiese - Fettwiese
- Fuchsschwanzwiese - Doldenblütlerwiese - Weidelgraswiese - Umtriebs- und Portionsweide - Standweide (i.S. einer Jungrinder- oder Mutterkuhweide) - Magerweide (Schafweide). Die spezifische Intensität der Grünlandbewirtschaftung
ergibt sich aus den standörtlichen Voraussetzungen, dem Verwendungszweck des produzierten Aufwuchses und dem Ausbildungs- und Kenntnisstand der praktizierenden Landwirte. Im Durchschnitt werden die baden-württembergischen
Grünlandflächen wesentlich weniger hoch gedüngt als vergleichbare Flächen im übrigen Bundesgebiet und in den Niederlanden oder Großbritannien. Allerdings ist
in viehstarken, klimatisch begünstigten Grünlandregionen wie z.B. dem Allgäu eine hohe Bewirtschaftungsintensität die Regel. In den Mittelgebirgen Schwarzwald,
Schwäbische Alb und Schwäbischer Wald finden sich eher kleinbäuerliche Strukturen, deren spezifische Bewirtschaftungsintensität meist gering ist.
Absehbare Entwicklung
Wie aufgezeigt wurde, ist eine flächendeckende Grünlandbewirtschaftung an die Existenz landwirtschaftlicher Betriebe gebunden. Ändern sich die agrarpolitischen
Rahmenbedingungen nicht, so ist abzusehen, daß zunächst in den von Natur aus benachteiligten Regionen die Milchviehhaltung ganz aufhören wird. Dieser Prozeß kann aus landschaftsstrukturellen Gründen (Flurzerstückelung,
Landschaftszerschneidung durch Verkehrswege) nicht überall mit dem Wechsel auf den Betriebstyp "Mutterkuhhaltung" aufgefangen werden. Folge davon wiederum
wird sein, daß ein Großteil der heute noch landwirtschaftlich genutzten Flächen verbrachen, nach und nach verbuschen und sich schließlich wieder bewalden wird.
In von Natur aus günstigen Gebieten kann sich die Milchviehwirtschaft noch etwas länger halten, wird sich aber auf lange Sicht auch hier den äußeren Marktzwängen
beugen müssen. Dabei stellt sich weniger die Frage nach der Nutzungsintensität, sondern vielmehr ob die Landschaft überhaupt noch bewirtschaftet und gepflegt werden wird.
Andererseits bringt es die sich stets weiterentwickelnde züchterische Leistungssteigerung beim Milchvieh mit sich, daß immer höhere Qualitätsanforderungen an die Tierernährung gestellt werden. In Konkurrenz zum
gleichzeitig sich verbilligenden Kraftfutter kann das Dauergrünland bei dieser rein ökonomisch geprägten Entwicklung als Rauhfutterspender nicht mehr mithalten.
Die derzeit erfolgende Bezuschussung des Silomaisanbaus verringert zusätzlich die Konkurrenzfähigkeit des Wiesenfutters.
Empfehlungen:
Die anzustrebende, nachhaltige Grünlandbewirtschaftung ist aus derzeitiger Sicht unter Berücksichtigung der anzustrebenden Ziele im Einzelbetrieb am ehesten über
eine abgestufte Bewirtschaftungsintensität zu realisieren. Eine gleichförmige Senkung der Intensität aller Flächen eines Betriebes oder einer Region auf ein
mittleres Niveau würde weder die allgemeine Artenvielfalt der heimischen Tier- und Pflanzenwelt fördern, noch ließe sie eine ausreichende Futterqualität zu. Regional
gesehen würden vielmehr ganze Nutzungsrichtungen verhindert werden. Vorteilhafter ist deshalb die Senkung der Intensität auf geeigneten Flächen, um dort
Arten- und Biotopschutz zu betreiben, und die Beibehaltung der Intensität auf solchen Flächen, die den Futteransprüchen der Nutztiere genügen müssen. Die
Abstufung der Bewirtschaftungsintensität macht aber nur dort einen Sinn, wo hohe Intensität möglich ist und unterschiedliche Intensitätsanforderungen verschiedener Produktionsverfahren der Tierhaltung vorhanden sind.
Die Grünlandnutzung ist insbesondere auf ertraglich geringen und damit meist ökologisch interessanten Flächen nur mit Beibehaltung einer sich wirtschaftlich lohnenden Landwirtschaft zu sichern. Deshalb müssen Rahmenbedingungen
geschaffen werden, die dies gewährleisten. Großflächige Grünlandpflege zur Konservierung von bestimmten Grünlandformationen ist in Zukunft weder finanzierbar noch sind die anfallenden Futteraufwüchse anderweitig verwertbar.
Bei der Entwicklung von Strategien zur Sicherung einer nachhaltigen Grünlandwirtschaft sind die Bedürfnisse der Nutztiere an Qualität und Menge des zu produzierenden Grünlandfutters zu berücksichtigen. Wenn die langfristige
Pflege und Offenhaltung von Grenzstandorten als Ziel gesehen wird, müssen die strukturellen Voraussetzungen zur großräumigen Nutzung dieser Landschaften geschaffen werden.
Die Erfordernisse der wirtschaftlichen Grünlandnutzung mit dem Ziel der Futterproduktion stehen denjenigen des Umweltschutzes, der Landschaftspflege und des Naturschutzes teilweise entgegen. Eine nachhaltige
Grünlandbewirtschaftung muß daher um einen Interessenausgleich bemüht sein. Sie sollte daher die Grundgedanken der Produktivität und der Umweltverträglichkeit vereinen.
Im Gegensatz zu anderen wissenschaftlichen Disziplinen kommt eine ganzheitlich-ökologische Problemanalyse - auch wenn sie wie hier nur eine der drei großen
Landnutzungsformen behandelt - um ethische Betrachtungsweisen nicht herum! Daraus ergibt sich die Forderung: Zwischen Mensch und Natur muß wieder ein ausgesöhntes Verhältnis hergestellt werden. Ohne einen Wandel im
Wertebewußtsein, also der Vorstellung dessen, was Lebensglück und Wohlfahrt für Mensch und Gesellschaft bedeuten, wird sich die Umweltvorsorge der Priorität wirtschaftlichen Wachstums unterordnen müssen und aus einer technisch
-wissenschaftlich orientierten Reparaturpolitik nicht herauskommen.
Quelle: BRIEMLE, G. M. ELSÄSSER, T. JILG, W. MÜLLER & H NUSSBAUM 1996: Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung in Baden-Württemberg. - in: Nachhaltige
Land- und Forstwirtschaft; Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York (1996): 125-256.
Hervorragende Filterwirkung bei Dauergrünland
Zunächst wird auf die in Frage kommenden Grünlandtypen mit ihrer standörtlichen Ausprägung und den zu erwartenden Futtererträgen in synoptischer Weise
eingegangen. Danach werden die wichtigsten Regeln einer umweltverträglichen, ordnungsgemäßen Grünlandbewirtschaftung skizziert. Diese werden ergänzt durch
Hinweise auf eine herbizidfreie Unkrautbekämpfung, welche Ihre Grundlage vor allem in einer umsichtigen und vorbeugenden Bestandesführung hat. In diesem
Zusammenhang erfolgen Hinweise auf eine zeitgemäße Grünlanddüngung, wobei von einem innerbetrieblichen Kreislauf der Nährstoffe ausgegangen wird. Konkrete
Düngeempfehlungen für Wirtschaftsdünger werden unter der Maxime gegeben, daß keiner der Hauptnährstoffe überdüngt wird. Ein Sieben-Punkte-Programm zur Vermeidung von Phosphoreinträgen in Oberflächengewässer runden das Thema
der umweltverträglichen Grünlandwirtschaft ab. Schließlich wird auf die hervorragende Filterwirkung der “Dauerkultur Grünland” für Nährstoffe eingegangen, wobei allerdings zwischen Wiesen- und Weidennutzung unterschieden wird.
BRIEMLE, G. 1998: Anforderungen an die Grünlandbewirtschaftung im Sinne des Schutzes von Gewässern. - Ber. internat. Seen-Fachtagung 1998 in Weingarten:
65-76, Oberschwäbische Verlagsanstalt, Ravensburg Hrsg.: Landratsamt Ravensburg, Selbstverlag.
Schaf-Nachpferchung ist landschaftsökologisch unbedenklich
Selbst dreinächtiges Pferchen von Merinolandschafen in einer Besatzdichte von 4,2 qm pro Tier erzeugte lediglich im Oberboden (0-30 cm) ein merkliches Ansteigen
der Nmin-Werte und zwar auf maximal 33 kg Nitrat-N pro ha. In den darunter liegenden Bodenschichten (bis 90 cm) wurden Werte um nur 3 kg NO3-N / ha gemessen, was den unbepferchten Referenzflächen aus der unmittelbaren
Nachbarschaft entspricht. Eine nennenswerte Verlagerung des auswaschungsgefährdeten Nitrat-Stickstoffs in tiefere Bodenschichten war selbst 7 Wochen nach der Nächtigung nicht nachzuweisen. Der jeweils anfangs
vorhandene Überschuß an Ammonium-Stickstoff wurde mit zunehmender Verweildauer zu Nitratstickstoff oxidiert und in dieser Form offensichtlich in der Rhizosphäre des Dauergrünlandes konserviert. Insgesamt gesehen dürfte das
einmalige Schafpferchen durch den Wanderschäfer, welches im Übrigen nur sehr punktuell und kleinflächig geschieht, landschaftsökologisch unbedenklich sein.
Diese Feststellung gilt für Parabraunerden geringer Entkalkungstiefe aus sandig-kiesiger Jungmoräne und damit für Bodentypen, die im Alpenvorland ein große
Verbreitung haben. Sie gelten nicht für sehr flachgründige, nährstoffarme oder floristisch besonders wertvolle Wacholderheiden, wie etwa die Brometalia-Gesellschaften von Kalk-Mittelgebirgen (Schweizer Jura, Schwäbische und
Fränkische Alb). Da bei solchen Grünlandtypen neben dem Wasser sich vor allem der Stickstoff im Minimum befindet, dürfte es dort zu einer merklichen, wenn auch nicht nachhaltigen Standort-Eutrophierung kommen.
In der Literatur ist mitunter von sehr hohen Nitratstickstoff-Austrägen ins Grundwasser unter Vorwartehöfen von Rindviehställen die Rede. Dort können mit
580 kg NO3-N/ha 52 mal höhere Werte ermittelt werden als unter Intensivweiden. Derartige, meist vegetationsfreie Standorte sind aber offenbar nicht mit einer noch
so engen, einmaligen Schafpferchung vergleichbar, bei der nur eine einmalige, kurzzeitige Narbenschädingung erfolgt.
Briemle, G., T. Jilg & K. Speck 1999: Wirkt sich nächtliches Schafpferchen im Winterhalbjahr auf die Nmin-Gehalte im Boden aus? – Landinfo 4/99: 11-16, Schwäbisch-Gmünd.
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